Gitana bekommt einen neuen Bootsmotor
Ende April kam also endlich der neue Bootsmotor auf Grenada an und GITANA wurde auf’s Trockene gekrant.
Nun war leider der Mensch, der mir den Motor einbauen sollte, einen Monat zuvor zurück in sein Heimatland Südafrika gegangen. Er hatte mir zwar einen seiner Mitarbeiter bereitgestellt, doch genau das wollte ich ja nun vermeiden! Ich wollte, dass der Einbau des neuen Motors von einem professionellen Mechaniker durchgeführt wird. Doch alle Anfragen in der Umgebung und auch auf Martinique liefen ins Leere: „Wir bauen nur Volvo Pentas und Yanmars ein“. Mein neuer Motor ist ein Craftsman 4.42 aus den Niederlanden.
Es blieb mir also nichts anderes übrig, als auf den Mitarbeiter zurückzugreifen.
Um das Ganze kurz zu machen: ich musste ihm ständig auf die Finger schauen. In dem Moment als ich das nicht tat, lief irgendwas falsch.


Die Zeit saß mir im Nacken, denn Anfang/Mitte Juni wollte ich auf Kreta sein, um dort vier Monate meiner Arbeit im Tierschutz nachzugehen. Da sich zusätzlich herausgestellt hatte, dass das Drucklager der Propellerwelle (das gleicht Vibrationen der Welle aus) durch Salzwasser zerstört war, musste also auch hier etwas Neues her. Weitere 14 Tage gingen ins Land, bis das Ersatzteil da war. Es blieb spannend bis zum Schluß.


Oh und noch eine Kleinigkeit: beim Kauf des Motors hatte ich mich mehrmals erkundigt, ob das neue Getriebe in dieselbe Richtung dreht, wie mein altes. Falls nicht, dreht nämlich der Propeller falschherum. Was soll ich sagen, ich legte im Kran den Vorwärtsgang ein und das Boot fuhr rückwärts. Ist jetzt erstmal nicht so dramatisch, bedeutet aber, dass ich über kurz oder lang doch einen neuen Propeller brauche.


Am Ende war der Motor drinnen, GITANA mit neuem Anstrich wieder im Wasser, doch der Motor war einfach unnormal laut. Das ganze Boot vibrierte, wenn er lief. Dazu kam, dass die erneuerte Stopfbuchse, die verhindert, dass an der Propellerwelle Wasser ins Boot eintritt, viel zu fest gestopft war. Warum? Das war einer der Momente, wo ich mal kurz nicht hingeschaut hatte-als ich hinsah, hatte er schon drei von den vier PTFE-Dichtungsbändern eingesetzt und mit der Brille so fest gestopft, wie es nur ging. Normalerweise zieht man die Bolzen nur gerade so viel an, dass kein Wasser mehr herausläuft. Nun lief beim Fahren also überhaupt kein Tropfen Wasser aus der Stopfbuchse und die Propellerwelle wurde so heiß, dass ich sie nicht mehr anfassen konnte.
Ein Sommer auf Kreta
Anfang Juni, einen Tag nachdem GITANA wieder im Wasser war, segelte ich mit einem Freund nach Martinique, er würde die nächsten Monate dort auf GITANA aufpassen. Voraussetzung: wenn ein Hurricane im Anmarsch ist, segelt er schleunigst aus der Hurricanezone raus nach Süden. Meinen Flug buchte ich drei Tage vorher.
In Martinique angekommen, nahm ich am folgenden Tag den Flieger über Paris und Athen nach Kreta und verbrachte nach 10 Jahren endlich mal wieder einen ganzen Sommer in Griechenland-gedanklich weit weg von Bootsmotoren, Stopfbuchsen, Propellern und ähnlichen Problemen.


Der Gudrun-Calligaro-Preis
Mitte Oktober ging es von Kreta für zwei Wochen in die Heimat. Am 18. Oktober fand im Lieger im Museumshafen Oevelgönne die Preisverleihung des Fahrtenwettbewerbs des DSV (Deutscher Segler Verband) statt, bei dem ich meine Reise von Hamburg auf die Kanaren eingereicht hatte. Dass ich einen Preis gewonnen hatte, wusste ich – jedoch nicht welchen. Es gibt verschiedene Kategorien plus einige Sonderpreise für besondere Leistungen.
Ok, da ich ja nur mit Frauen unterwegs war, hatte ich schon so einen Verdacht – der sich dann auch bestätigt hat. Mit Freude durfte ich den Gudrun Calligaro Preis mit nachhause nehmen, der verliehen wird an die beste Reise unter Leitung einer Schiffsführerin. Es handelt sich um einen Wanderpokal, ein Gemälde des Malers Hinnerk Bodendieck, unter dem nun auch mein Name eingraviert ist.



Zurück in der Karibik
Anschließend trat ich meinen Rückflug in die Karibik an. GITANA war mittlerweile wieder auf Grenada. Zum Vermessen der Propellerwelle für einen neuen Propeller und um die zu fest gestopfte Stopfbuchse noch einmal zu wechseln (diesmal mach ich’s selbst!), musste sie erneut aus dem Wasser. Und natürlich musste der unnatürlichen Vibration auf den Grund gegangen werden.



Ich fand einen „echten“ Mechaniker, der sich meines Motors annahm. Wir stellten fest, dass der Motor auf dem Motorbett teilweise aufsaß – kein Wunder, dass alles so vibriert hat. Also: Motor nochmal raus, Motorbett neu machen lassen mit Aussparungen, wo der Motor aufgesessen hat, Propeller vermessen und aus England einen neuen bestellt. Dieser Punkt war wieder der limitierende Zeitfaktor, drei Wochen dauerte es von der Bestellung bis zum Eintreffen des neuen Propellers.




Eine weitere, dringende Reparatur war der Austausch des Ruderlagers. Das alte war total verrostet, da von oben durch die Notpinnenöffnung ständig Wasser tropfte-was natürlich auch noch repariert werden musste. Beim Drehen des Steuerrads knackte es deutlich hörbar, nicht gerade vertrauenserweckend. Doch auch dieses Problem ist nun beseitigt.


Die viele Warterei während der vier Wochen verbrachte ich damit, Grenada etwas besser kennenzulernen. Jeden Samstag veranstalten die sogenannten Hash House Harriers eine Wanderung in verschiedenen Teilen Grenadas. Ein sportliches, soziales Ereignis, was am Ende immer mit viel Bier endet. Man weiß nicht so genau, ob die Wanderung oder das Bier im Vordergrund steht, aber Spaß macht es allemal!



Vier Wochen und etliche Euros später gab es endlich keine lauten Vibrationen mehr, die Welle läuft nicht mehr heiß und der Propeller dreht in die richtige Richtung-was will man mehr?

Schreibe einen Kommentar