Der neue Wassermacher trifft ein
Wie aufregend, endlich war mein Wassermacher eingetroffen. Ich fuhr mit dem Dinghy zum Dock und mit Hilfe eines Bekannten hievte ich das große Paket ins Schlauchboot. Passte gerade so rein.
Mir war klar, dass irgendwann ein Wassermacher an Bord kommen soll, doch eigentlich hatte ich das erst zum Pazifik hin geplant. Nun aber, da klar war, dass ich die nächsten Monate noch in der Karibik verbringen würde, hatte ich das Ganze spontan vorgezogen.

Ich bin mit meinen 400 Litern Wasser immer gut ausgekommen. Ungefähr sechs Wochen, wenn ich allein an Bord war und auch zu dritt über den Atlantik mussten wir uns keine Sorgen machen. Doch der Gedanke des Wassersparens war allgegenwärtig. Duschen sind eher ein kurzes Abspülen des Salzwassers nach dem Schwimmen. Abwaschen immer mit so wenig Wasser wie möglich. Das Deck wird grundsätzlich nur vom Regen abgespült-denn in einer Marina war ich seit den Kapverden 2024 nicht mehr. Mehrmals die Woche holte ich mit meinen 20 Liter Kanistern etwas Wasser vom Ufer, um die Tanks aufzufüllen.
Nun könnte man sagen, fahr doch alle sechs Wochen mal kurz in eine Marina zum Wassertanken. Ja, kann man machen. Aber schon der Gedanke, die Fender und Festmacher rauszuholen, den Anker hochzuholen, dann in der Marina festmachen und wieder zurück – viel zu umständlich! Da schlepp ich doch lieber alle paar Tage schwere Kanister. Und ich weiß, ich bin nicht die Einzige, die diesem unlogischen Gedankengang an Bord folgt 🙂
Ich hatte geplant, den Wassermacher zunächst provisorisch in der hinteren Nasszelle einzubauen und dort die vorhandenen Borddurchlässe der zweiten Toilette (die ich nicht benutze) zu gebrauchen, um dann zu einem späteren Zeitpunkt, wenn das Boot auf dem Trockenen ist, einen neuen Borddurchlass einzusetzen und den Wassermacher an seine endgültige Position zu bringen. Doch schnell wurde klar, dass das eine Schnapsidee war. Es würde vom Platz gar nicht passen. Also musste ein neuer Plan her, der den Wassermacher direkt an seine endgültige Position befördert.


Der Einbau
GITANA hat zwei Wassertanks à 200 Liter. Der einzig funktionierende Platz an Bord wäre genau dort, wo einer der Tanks sitzt, nämlich unter der Bank im Salon. Anstatt jedoch einen Wassertank komplett zu entfernen, entschloss ich mich, den Tank an Steuerbord so weit zu verkleinern, dass nebenan genug Platz für den Einbau des Wassermachers ist.
So ein Tank ist an Bord gut gesichert, denn er soll ja bei Wind und Welle nicht verrutschen. Contest legt bei einigen Sachen Wert darauf, dass sie für die Ewigkeit halten und so dauerte es eine Weile, bis ich herausgefunden hatte, wie ich die Holzstreben entfernen konnte, ohne dabei zu viel Schaden anzurichten.


Nun, da Platz war, konnte ich mit dem Einbau beginnen. Das war glücklicherweise gar nicht schwer. Ich hatte mich für einen Kyma Wassermacher der Firma Oceanspring entschieden. Der Wassermacher produziert 30 Liter die Stunde und verfügt über ein Energie-Rückgewinnungs-System. Er verbraucht dadurch nur 9 Ampere, was wiederum bedeutet, dass selbst ich, mit meiner eher kleinen Solaranlage, nicht jedes Mal den Motor starten muss, wenn Wasser produziert wird. Schließlich möchte ich zukünftig nicht das Wasserschleppen gegen Dieselschleppen eintauschen.
An sonnigen Tagen kann der Kyma problemlos 3-4 Stunden über Mittag laufen, ohne dass meine Batterien entladen werden. Meist genügt ohnehin eine Stunde am Tag. Dazu kommt, dass das Ganze „Made in Germany“ ist. Wen das alles näher interessiert, der kann auch hier nochmal nachlesen.
Nachdem ich ein paar Löcher in mein Boot gebohrt hatte, um die Wasserschläuche zu verlegen, wurden die einzelnen Komponenten eingebaut. Ein grober Schmutzfilter, ein feiner Partikelfilter, die Hochdruckpumpe und das Herzstück: die Membran mit der Energie-Rückgewinnungs-Einheit. Zur Frischwasserspülung des Systems ist noch ein Aktivkohlefilter in das System integriert.








Was ist seit dem Einbau anders an Bord? Die gesamte Lebensqualität! Ich dusche inzwischen richtig, unter Deck, in meiner Dusche, die ich vorher nie benutzt habe. Ich spüle ab und zu mein Deck und wasche das Cockpit regelmäßig mit Frischwasser. Ich spüle auch ab und zu die Ankerkette im Ankerkasten.
Und obwohl ich nach wie vor kein Wasser verschwende, denke ich doch nicht bei jedem Öffnen des Wasserhahns ans Wassersparen. Auch der mentale, unterschwellige Stress, wo das nächste Wasser zum Füllen des Tanks herkommt, ist weg. Es ist einfach ein großes Stück Lebensqualität, das ich mir da gekauft habe.
Letzte Tage auf Antigua
Nachdem der Wassermacher funktionstüchtig war, musste ich noch etwas warten, bis ich meinen gekürzten Wassertank zurück bekam. Die Zeit nutzte ich, um noch einmal wandern zu gehen und die schönen Ecken von Antigua zu genießen. Shirley Hights beispielsweise ist ein toller Aussichtspunkt, von dem aus man über English Harbour und Falmouth Harbour gucken kann. Es gibt auf dem Wanderweg ein paar Abzweigungen, die ich im letzten Jahr ausgelassen hatte, die ich aber nun nochmal erkunden wollte.








Es muss weitergehen
Nun also, da dieses Kapitel abgeschlossen war, stand das nächste Kapitel auf dem Plan und das hieß Barbuda. Die Insel liegt nur etwa 30 Seemeilen nördlich von Antigua, ist allerdings so flach, dass man sie erst circa sieben Seemeilen vorher erkennen kann. Barbuda hat einen der schönsten und längsten Strände der Karibik. Ich wollte auf keinen Fall weitersegeln, ohne einen Abstecher dorthin zu machen.
Einen Tag vor der Abfahrt traf ich auf einen Fischer, der gerade einen großen Thunfisch gefangen hatte und ihn am Dock verkaufte. Die Chance ließ ich mir nicht entgehen und kaufte ihm ein großes Stück ab. Das Angeln in dieser Gegend gestaltet sich aufgrund des vielen Sargassums (eine Braunalge, die überall herumschwimmt) nämlich sehr schwierig.



Ankunft auf Barbuda

Nach sechs Stunden wunderschönen Segelns fiel der Anker vor dem drei Kilometer langen Princess Diana Beach. Der Strand wurde am 01.07.2011 nach ihr benannt, was ihr fünfzigster Geburtstag gewesen wäre. Die Princess of Wales verbrachte hier viel Urlaubszeit und genoss die Ruhe weit weg von den Paparazzi und sonstigem Trubel.
Da ich mich nun auch in Urlaubsstimmung befand, war mal wieder Zeit für Sachen, die man macht, wenn man sonst nichts zu tun hat. Backen zum Beispiel. Ich hatte kürzlich einen Sauerteig angesetzt und experimentierte mit einem Weizen-Sauerteigbrot. Der vom Ansatz übriggebliebene Sauerteig wurde in Waffeln verwandelt. Auch übte ich mich zum ersten Mal im Joghurt-selber-machen, was überraschend simpel ist.



Der Versuch, bei 30 Grad Celsius Franzbrötchen zu backen, gestaltete sich im Gegenzug dazu eher… schwierig.


Das Highlight auf Barbuda ist natürlich dieser Strand. Da die Saison nun offiziell vorüber war und die Hurricanesaison begonnen hatte, gab es nur noch sehr wenige Segler vor Ort. Eine Strandbar fanden wir zum Glück aber noch geöffnet. Inzwischen war auch Ben mit der SANCTUARY eingetroffen.







Das Vogelschutzgebiet der Codrington Lagoon
Nach drei Tagen segelten wir zur Codrington Lagoon. Hier befindet sich ein Vogelschutzgebiet, welches nur mit dem Boot, will heißen mit kleinen Fischerbooten, zu erreichen ist. Es ist das Zuhause für über 170 Vogelarten. Allein die Fregattvogelpopulation zählt über 200.000 Tiere. Nach den Galapagosinseln befindet sich hier die zweitgrößte Brutstätte der Fregattvögel auf der Welt. Leider ist die Paarungszeit im Juni bereits vorbei, in der die männlichen Fregattvögel mit ihrem großen, roten Kehlsack versuchen, die Weibchen zu beeindrucken.



Darby Cave Sinkhole
Barbuda hat im Inneren der Insel noch ein kleines, verstecktes Highlight. Ein sogenanntes Sinkhole. Mitten in der eher kargen und trockenen Landschaft befindet sich ein großes Loch im Boden. „Darby Cave“ hat einen Durchmesser von circa 100 Metern und ist über 20 Meter tief. Im Inneren ist die Vegetation plötzlich tropisch und fast wie ein kleiner Regenwald.


So neigte sich die Zeit auf Antigua und Barbuda nun dem Ende zu. Die Hurricanesaison hatte begonnen, die Buchten waren leer und für mich wurde es Zeit, weiterzusegeln und neue Inseln zu erkunden. Denn falls sich etwas zusammenbrauen sollte am Karibikhimmel, dann würde ich schnurstracks gen Süden segeln müssen. Glücklicherweise ist aufgrund von El Nino eine sehr milde Hurricanesaison im Atlantik vorausgesagt. Wollen wir mal hoffen, dass sich das bewahrheitet.



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