Aufgeschobene Reparaturen
Da die Delfine auch nach fünf Tagen noch nicht aufgetaucht waren und es zunehmend rolliger in der Bucht wurde, entschloss ich mich, die Zelte abzubrechen und machte mich auch auf den Weg nach Antigua. Es ging durch riesige Sargasso-Teppiche und im Slalom um diverse Squalls herum. Am frühen Nachmittag fiel der Anker in der geschützten Bucht von Falmouth Harbour, die ich bereits vom letzten Jahr gut kannte.


Hier auf Antigua würde ich einige Zeit bleiben. Der Regler meiner Lichtmaschine war kaputt und Ersatz musste her. Weitere Projekte, die ich lange aufgeschoben hatte, lagen in der Warteschleife. Zudem hatte ich mich dazu entschlossen, die Tour an die Ostküste der USA noch einmal um ein Jahr zu verschieben. Es gibt in der nördlichen Karibik noch so viele, schöne Inseln, an denen ich nicht einfach vorbeirauschen wollte. Daher entschloss ich mich, die Hurricane-Saison in der Karibik zu verbringen-unter konstanter Beobachtung des Wetters.
Dies führte wiederum zu der Entscheidung, dass ich mir den Wassermacher, den ich mir eigentlich erst nächstes Jahr zulegen wollte, schon jetzt kaufte. Ich hatte auf Antigua eine Adresse, wo ich ihn hinschicken lassen konnte-doch dazu später mehr.
Seit den Kapverden segelte ich eine neue Vorschiffsluke mit mir herum und wo ich die neue Klobrille gekauft hatte, weiß ich schon gar nicht mehr. Nun war endlich die Zeit gekommen, diese kleineren Projekte in Angriff zu nehmen.




Auch wollte ich etwas in Angriff nehmen, was mich seit sechs Jahren, seit dem Kauf des Bootes, in den Wahnsinn trieb. Meine Wanten machten irgendwo Geräusche, wenn das Boot in Bewegung war-sprich beim Segeln, aber auch am Ankerplatz, wenn das Boot nur minimal rollte. Diese Geräusche waren unter Deck so laut, dass es schwer war, zu schlafen. Teilweise grenzte es wirklich an Psychoterror. Ich versuchte über die Jahre immer wieder, mit Fett oder Ähnlichem die Geräusche zu minimieren bzw. herauszufinden, was genau die Ursache war. Der Erfolg war immer nur von kurzer Dauer und niemand (und ich habe viele Menschen gefragt) konnte mir aus Erfahrung sagen, wo das Problem saß und was zu tun war.
Meine letzte Hoffnung war, die Endkappen der Salinge auszutauschen. Dazu brauchte ich eine ruhige Bucht wie hier in Falmouth, denn ich musste Ober- und Mittelwant lösen und den Mast mit Großfall und Dirk sichern, während ich an der unteren Saling die Endkappen tauschte, wo die Wanten durchlaufen.
Für die Nichtsegler: Ich musste vier von sechs Drahtseilen, die den Mast seitlich stabilisieren, lösen. Damit der Mast nicht umfällt, musste ich ihn mit Leinen sichern, die von der Mastspitze nach unten an Deck führen. Die Salinge sind die silbernen Dinger auf dem ersten Foto, die die Drahtseile seitlich abspannen. Oh ja, und ich musste natürlich in den so gut wie möglich gesicherten Mast klettern, um die grauen Endstücke aus den Salingen rauszunehmen und auszutauschen.
Long story short: Seitdem habe ich Ruhe im Boot! Manchmal kann ich es selbst noch nicht glauben, doch das Geräusch ist weg. Wenn man sich die Endkappen anschaut, sieht man das Problem: die alten waren nach 30 Jahren so abgescheuert, dass die Drähte innen den Feststell-Bolzen berührt haben. Ich verstehe bis heute nicht, warum ich die Einzige auf der Welt zu sein scheine, die dieses Problem hatte…



Während ich im Mast war führte ich noch einen Riggcheck durch und entdeckte ein gebrochenes Unterwant. Das muss auf jeden Fall getauscht werden. Die Unterwanten sind ohnehin dran, sie sind über 10 Jahre alt.
Auch war es mal wieder Zeit, den Dieseltank zu reinigen. Das letzte Mal ist zwei Jahre her und es waren schon wieder Spuren von Dieselpest im Tank zu sehen.



Doch auch für die schönen Dinge blieb noch genug Zeit und so erkundete ich mal wieder die nähere Umgebung.


Ankerkino
In ein paar Tagen würden hier, wie jedes Jahr, die Antigua Classics starten. Die Bucht füllte sich zunehmend mit Booten und das Ankerkino blieb nicht aus. Die Bucht hat diverse Riffe und Flachstellen, die in der Seekarte gut verzeichnet sind. Daher erschließt es sich mir nicht, wie regelmäßig Boote mit voller Geschwindigkeit auf diese Flachs fahren-aber es bietet auf jeden Fall Unterhaltung.

Die Antigua Classics

Die Classics waren, wie auch letztes Jahr schon, ein Highlight. Aber das absolute Highlight war, dass ich am letzten Tag auf CHERUB mitsegeln durfte. CHERUB ist eine gaffelgetakelte Venus 42 Ketch und hat eine reine, sehr bunte Frauencrew. Angie, die Skipperin, war gut mit dem Erbauer des Bootes befreundet, der vor ein paar Jahren leider verstarb und ihr das Boot vermachte. CHERUB bekam ein großes Refit, nachdem sie in Hurricane Beryl stark beschädigt wurde und belegte schon letztes Jahr den zweiten Platz in ihrer Klasse der Antigua Classics Yacht Regatta.


Alles auf CHERUB ist Handarbeit, Winschen und Co sind Fehlanzeige. Hier wird mit vereinten Kräften gepullt, wenn nötig.





CHERUB hat in der Gesamtwertung wieder den zweiten Platz belegt. Dazu konnten wir mit der Crew den „Spirit of the race“ Preis absahnen und ich habe für uns die sogenannte „gutter race“ gewonnen. Jede Crew baut aus vorgegebenen Materialien (Poolnudeln, Schaschlikspieße, Papier) ein kleines Rennboot, welches dann im K.O. Verfahren gegen die Boote der anderen Teams in einer mit Wasser gefüllten Regenrinne (rain gutter) antritt.

Die Ruhe danach
Nach den Classics kehrte wieder Ruhe ein. Die Boote verließen peu à peu die Bucht, denn es war Ende April und die Hurricane-Saison nahte. Die meisten segeln entweder nach Norden (USA), nach Süden (Grenada/Trinidad) oder nach Westen (Panama). Wir (SANCTUARY, APOLLON&DAPHNE, GITANA) blieben hier.


Rund um Antigua
Ich nutzte die Zeit auf Antigua und wollte diesmal auch etwas von der Insel sehen. Antigua hat auch auf der sonst so exponierten Ostseite der Insel diverse, vorgelagerte Riffe. Dadurch ist das Ankern hier sehr entspannt und eine Umrundung der Insel bietet sich an.
Erster Stopp war Green Island-eine Insel, die ihrem Namen alle Ehre macht. Es könnte schlimmer sein… Hier verbrachte ich ein paar entspannte Tage.





Weiter ging es dann durch eine sehr enge Riffpassage an der Ostküste entlang und durch eine weitere Riffpassage wieder hinein zur Great Bird Island. Was dabei nicht hilfreich ist, ist wenn plötzlich die Sonne hinter Wolken verschwindet (mit der Sonne im Rücken ist die Passage gut erkennbar) und gleichzeitig das IPad mit meiner Seekarte der Meinung ist, es müsse sich mal kurz neu starten, während ich mitten in der Riffpassage bin. Aber toi, toi, toi – alles gut ausgegangen!






Nach ein paar Tagen in diesem kleinen Paradies ging es weiter an die Nordküste in die Dickenson Bay. Hier schwimmt die Kon Tiki Bar, die Dave gehört. Dave und ich hatten uns 2012 in Dahab kennengelernt, wo wir in derselben Bar gearbeitet haben. Durch Zufall hatte er gesehen, dass ich auf Antigua bin und schickte mir eine Nachricht. Die Bucht lag sowieso am nächsten Tag auf meinem Weg und so gab es ein feuchtfröhliches Wiedersehen nach 14 Jahren.
Außer mir ankerte noch ein Katamaran mit deutscher Chartercrew in der Bucht. Nachdem die Bar geschlossen hatte, klang der Abend dann genauso feuchtfröhlich auf dem Katamaran aus, wie er in der Kon Tiki Bar begonnen hatte.







Am folgenden Tag ging es am Froschkönig vorbei nach Jolly Harbour im Westen Antiguas. Die Bucht ist groß, gut geschützt, es gibt einen riesigen Supermarkt, der quasi mit dem Dinghy erreichbar ist und es gibt einen großen Mangrovensee, den ich auf der Karte entdeckte. Es war nicht ganz klar, ob es einen Weg hinein gibt und so schnappte ich mir mein SUP und begab mich auf Erkundungstour.
Was ich entdeckte war ein verstecktes Paradies! Der See ist ganz flach, ich musste die große Finne des SUPs abnehmen, um nicht überall hängenzubleiben. Es gibt einen ganz kleinen Zulauf, durch den ich mit dem SUP eben gerade so durchpasste. Der See ist ein absolutes Naturparadies und ich bin froh, diesen Ort entdeckt zu haben.








Nun blieb nur noch die letzte Etappe von Jolly Harbour zurück nach Falmouth. Denn dort ist nach zwei Wochen mein Wassermacher aus Deutschland eingetroffen. Wie der Einbau verlief und wie sich mein Leben auf GITANA seitdem verändert hat, erzähle ich im nächsten Beitrag.

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