boot Düsseldorf
Als ich über Paris Richtung Düsseldorf flog, fühlte es sich wie ein kleines Ritual an: zehn Tage boot Düsseldorf, zehn Tage voller Menschen, Geschichten und Sehnsucht nach dem Meer. Nach so langer Zeit endlich das gesamte Team von BLAUWASSER.DE wiederzusehen, hat mich wahnsinnig gefreut. Die Tage vergingen wie im Flug – Seminare, spannende Vorträge und vor allem viele Begegnungen mit alten Freunden und Bekannten ließen kaum Zeit zum Durchatmen.




Vier Wochen Kreta
Direkt im Anschluss ging es weiter nach Kreta, wo mich der Alltag meiner dortigen Arbeit sofort wieder einholte. Vier Wochen lang hieß es operieren, operieren, operieren. Viel Freizeit blieb nicht, aber dafür war ich schließlich auch nicht dort. Nach über 1000 Operationen ging es zurück in die Karibik – zurück nach Martinique.






Barbados
Inzwischen war Ben mit der SANCTUARY nach Barbados gesegelt, um dort seine Familie zu treffen. Während meiner Atlantiküberquerung hatte ich die Insel aus Zeitgründen ausgelassen, doch nun bot sich die perfekte Gelegenheit, das nachzuholen. Die Wetterbedingungen waren alles andere als ideal, aber die Aussichten für die kommenden Tage versprachen keine Besserung. Also blieb nur eins: losfahren.




30 Stunden später fiel um 22 Uhr der Anker – in 15 Metern Tiefe, direkt hinter der SANCTUARY. Müde, durchgeschüttelt, aber glücklich.
Die zwei Wochen auf Barbados hatten ihren ganz eigenen Abenteuercharakter. Schon das Anlanden war jedes Mal eine kleine Herausforderung, denn ein Dinghy-Dock gibt es dort nicht. Stattdessen landet man direkt am Strand – und dort brechen fast immer die Wellen.
Das Problem: Bens Dinghy ist zu schwer, um es den Strand hochzuziehen. Zudem lässt es am Boden irgendwo Wasser rein. Mein kleines Quicksilver ist erstens sehr klein für zwei Personen und zweitens habe ich es seit Weihnachten nicht geschafft, den Luftboden so zu flicken, dass er die Luft hält. Mindestens zehn mal habe ich es geklebt aber die Stelle ist einfach so ungünstig, dass es immer wieder aufs Neue undicht wird. Mein anderes Dinghy ist etwas größer, hat aber in einem der Schläuche irgendwo ein kleines Loch, was ich noch nicht gefunden hatte. Wir hatten also drei Dinghies für zwei Personen, von denen eines Wasser reinlässt und zwei Luft rauslassen.


Wir nahmen zuerst mein kleines Quicksilver, ich hatte den Boden gerade mal wieder geflickt und er hielt (für 1-2 Tage). Besonders der Rückweg hatte es in sich: Man fährt den Wellen entgegen und kann kaum abschätzen, wie groß die nächste anrollende Wasserwand wird und ob sie bricht. Während man versucht, den Außenborder herunterzuklappen, den Benzinhahn zu öffnen und den Motor zu starten, bleibt nur wenig Zeit. Unser erster Versuch endete entsprechend spektakulär: Innerhalb weniger Sekunden verwandelte sich das Dinghy in eine schwimmende Badewanne – mitsamt uns beiden darin. Glücklicherweise sind wir nicht gekentert. Danach wurden wir deutlich geduldiger und warteten lieber den perfekten Moment ab-und fuhren grundsätzlich immer in Badeklamotten zum Strand. Der Royal Yacht Club hat Duschen und Umkleideräume.


Barbados selbst wirkte fast unwirklich schön. Die Strände sahen genau so aus, wie man sich die Karibik auf Postkarten vorstellt: türkisfarbenes Wasser, blendend weißer Sand und Palmen, die sich im Wind wiegen. Bei einer kleinen Tour an die Ostküste zeigte die Insel dann ihr raueres Gesicht. Zwischen hier und Afrika liegt nichts als offener Atlantik. Und während ich dort auf die endlose See hinausschaute, fühlte sich der Gedanke, tatsächlich von den Kapverden bis hierher gesegelt zu sein, plötzlich ziemlich surreal an.



Die gewaltige Atlantikdünung hatte die freistehenden Felsen über Jahrtausende geformt und ihre Sockel dünn ausgewaschen. Im Inselinneren dagegen erstreckten sich endlose Zuckerrohrfelder bis zum Horizont. Barbados lebt spürbar von seiner Geschichte – und auch für den Pferderennsport. Natürlich ließen wir uns eines der berühmten Rennen, den Gold Cup, nicht entgehen. Das letzte Mal, dass ich auf einer Rennbahn stand, war vermutlich in Leipzig gewesen, wo wir früher regelmäßig zuschauten – und natürlich auch den einen oder anderen Einsatz gewagt hatten.

Der Rückweg nach Martinique verlief zunächst deutlich entspannter als die Hinfahrt. Doch in der Nacht zeigte die See noch einmal ihre raue Seite. Eine starke Strömung setzte von Süden nach Norden, während der Wind aus Nordost kam. Für einige Stunden bauten sich dadurch unangenehm hohe Wellen auf. Besonders nachts, wenn man die Wasserberge nicht kommen sieht, fühlt sich das schnell bedrohlich an. Entsprechend erleichtert war ich, als ich am frühen Morgen endlich aus der Strömung herauskam und Martinique am Horizont auftauchte.


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